Defender of the Crown
Defender of the Crown - Die schönsten Burgen der 80er - Wir müssen reden
In dieser Folge reden wir über Defender of the Crown von Cinemaware und klären dabei die folgenden Fragen:
- Wie historisch korrekt ist das Spiel und war das überhaupt das Ziel?
- Welches der Minispiele konnten wir damals schon nicht?
- Warum neben Burgbelagerungen keines spielentscheidend ist?
- Was wir vom angekündigten Remaster erwarten und was es bieten soll?
Endlich reden wir über den Klassiker Defender of the Crown von Cinemaware, der 1986 zuerst für den Amiga 1000 erschienen ist und später auf viele weitere Systeme umgesetzt wurde. Wir ordnen das Spiel grob historisch ein und sprechen darüber, dass die Handlung zwar auf England im 12. Jahrhundert verweist, aber nur lose an historischen Ereignissen orientiert ist.
Das Spiel bietet eine Mischung aus Strategie und mehreren Minispielen. Wir wählen einen von mehreren sächsischen Adeligen mit unterschiedlichen Werten und Versuchen Gebiete zu erobern, Armeen aufzubauen und am Ende die normannischen Burgen einzunehmen. Zu den zentralen Elementen gehören Feldschlachten, Turniere, Burgbelagerungen und Überfälle.
Natürlich ist das wichtige Thema die Präsentation. Die Grafik, die Musik und die filmische Inszenierung, die für die Zeit besonders eindrucksvoll war, waren das Markenzeichen von Cinemaware. Außerdem gehen wir auf die Charakterauswahl, die Karte von England und die Rolle von Robin Hood ein, der im Spiel als Helfer auftaucht.
Wir erklären auch die Schwächen der Amiga-Version, vor allem die wenig transparente Steuerung und die fehlende Rückmeldung in den Kämpfen. Bei Belagerungen, Schwertkämpfen und Turnieren ist oft nicht klar, wie gut wir gerade abschneiden. Deshalb sprechen wir auch über die Unterschiede zu anderen Versionen, die teilweise Lebensanzeigen, zusätzliche Waffen oder bessere Hilfen bieten.
Zum Schluss gehen wir auf die Entwicklungsgeschichte, spätere Neuauflagen und das angekündigte Remaster ein.
- Spielname
- Defender of the Crown, DOTC
- Jahr
- 1986
- Firmen
- Cinemaware, Master Designer Software
- Personen
- Kellyn Beeck, Robert J. Mical, James D. Sachs, Robert Jacob, Phyllis Jacob, John Cutter, Jim Cuomo, Bill Williams, Steve Quinn, John Cutter, Rob Landeros
- Plattformen
- Amiga, Amiga CDTV, Apple II, Atari ST, Commodore 64, DOS, Macintosh, NES, Philipps CD-i

Na und???!

Also alles, was zu einem vernünftigen Ritterspiel gehört.

Hab ich den Gegner jetzt getroffen oder nicht. Diese frage ich mich bei den Überfällen andauernd.



Du musst kein Englisch können, um das Katapult zu bedienen.

Bilder zu Defender of the Crown
Die Minispiele
Möchte man Defender of the Crown einfach beschreiben, so könnte man sagen, es ist eine Art Risiko-Spiel, welches noch mehrere Minispiele aufweist. In den Schlachten zählt fast nur die Stärke der eigenen Armee, in den Minispielen dann unser Geschick und zum Teil auch das Glück. Wirklich gut erklärt werden die Minispiele im Handbuch nicht, zusätzlich gibt uns das Spiel auch nicht unbedingt in jedem eine gute Rückmeldung zum Fortschritt des Minispiels.

Die Belagerung
Wir müssen, bevor es zu einer Schlacht zwischen unserer und der Armee des Gegners kommt, mit einem Katapult die Mauer herunterschießen. Dies ist das einzig wichtige Minispiel, welches wir beherrschen müssen, da es das einzige Minispiel ist, welches wir zum Abschluss des Spiels brauchen.
In der Amiga-Version stehen uns nur Steine für die Katapulte zur Verfügung, in anderen Versionen gibt es auch das griechische Feuer. Je weiter wir die Mauer herunterschießen, desto mehr Vorteile haben wir in der anschließenden Schlacht.

Der Überfall oder die Befreiung der holden Dame
In beiden Fällen ist der Ablauf gleich. Wir schleichen uns in tiefster Nacht in die Festung des Gegners. Im Innenhof der Festung müssen wir gegen einen Soldaten gewinnen und dann im Anschluss in der Burg erneut gegen einen Soldaten im Duell.
Wir bewegen uns mit der Maus vor- und zurück und können über die Maustaste einen Schlag ausführen. Bedauerlicherweise besitzt die Amiga-Version keinen Lebensbalken, welche wir in einigen der anderen Versionen finden und der uns eine bessere Rückmeldung zu unserem Kampf bietet.
Sollten wir beide Kämpfe gewonnen haben, so rauben wir dem Gegner entweder die monatlichen Einnahmen oder haben die holde Dame befreit, welche uns dann heiratet.

Das Turnier
Beim Turnier müssen wir, wenn wir die Kämpfe gewinnen, nacheinander gegen alle Kontrahenten antreten. Hierbei können wir entweder um Ländereien oder um Ehre kämpfen. Die Ehre bringt uns vor allem in Schlachten einen Vorteil.
Das Turnier wird mit pompösen Bildern eingeleitet und tönenden Fanfaren. Sobald das Lanzenstechen startet, sehen wir wie die beiden Kontrahenten aufeinander zureiten. Hier übernehmen wir dann die Steuerung der Lanze und müssen versuchen mit dieser auf das Schild zu zielen. Damit dies nicht zu leicht wird, wackelt unsere Lanze. Sobald beide aufeinander treffen stützt einer der beiden. Sollten wir siegreich sein, so geht es in das nächste Duell.

Unser Freund: Robin Hood
Bei unserem Freund Robin von Locksley gibt es zwar kein eigenes Minispiel, dieser kann uns in einer Partie aber bis dreimal unterstützen, bei einer Schlacht oder einem Überfall. Wie sich das genau auswirkt, darüber hüllt sich das Spiel ins Schweigen, aber bei der Schlacht verliert der Gegner wohl vorab einige Einheiten und beim Überfall haben die gegnerischen Soldaten weniger Leben.
Hier wird die an manchen Stellen fehlende Spieltiefe von bombastisch schöner Grafik überstrahlt.

Defender of the Crown - Amiga Walkthrough
Beim Lanzenstechen und den Belagerungen hatte ich damals den Dreh raus und konnte hier Gegner einfach besiegen, heute nur beim zweiten.


Die Charaktere
Leadership bringt Vorteile in den Schlachten gegen andere Armeen, das Jousting ist im Lanzenstechen wichtig und das Swordplay ist bei den Überfällen in anderen Burgen wichtig. Jeder der Charaktere ist hier entweder durchschnittlich, gut oder stark und erlaubt so dem Spieler durch die Charakterwahl seine eigenen Schwächen anzupassen. Alle vier Charaktere sind schön gepixxelt und sehen aus, als wären sie aus einem Mittelalterfilm der 70er-Jahre entsprochen.
- Wilfred of Ivanhoe
- Wilfred ist stark gepanzert, so ist er zwar in keiner Disziplin richtig stark, aber er hat eine gute Führungskraft und kann auch im Lanzenstechen etwas mehr überzeugen.
- Cedric of Rotherwood
- Cedric ist die geborene Führungskraft und kann auch mit der Lanze gut umgehen. Nur das Schwer liegt ihm nicht so gut in der Hand. Für die Belagerungen und Schlachten ist er die beste Wahl.
- Geoffrey Longsword
- Bei Geoffrey ist der Name quasi seine Stärke, der Schwertkampf. In den anderen beiden Disziplinen ist er dafür nur durchschnittlich. Wer also gerne holde Dame rettet oder sich in gegnerische Burgen schleicht, der liegt bei ihm richtig.
- Wolfric the Wild
- Wolfric ist eine sichere Bank bei den Turnieren. Wer viel Wert darauf legt sich in diesen zu beweisen, der sollte mit Wolfric spielen.

Die Strategiekarte
Auf der Strategiekarte bewegen wir unsere Kampagnen-Armee (die einzige welche wir angezeigt sehen) und erobern Gebiete oder ziehen diese in unsere Burg zurück. In dieser können wir dann mit unserem Gold neue Soldaten, Ritter, Katapulte oder Burgen kaufen und die Einheiten unserer Kampagnen-Armee zuweisen. Ansonsten verteidigen die Soldaten die Burg, sollte diese angegriffen werden.
Dabei sind die Soldaten der mit Abstand wichtigste Teil unserer Armee. Ziehen wir auf ein Gebiet, indem sich eine gegnerische Armee befindet, so kommt es zu einem Kampf. Befindet sich in dem Gebiet eine Burg, so starten wir die Belagerung, nach der es dann zu einem Kampf kommt.

Die Zufallsereignisse
Die Normannen sind nicht unbedingt die schlausten, aber sie können uns durch Zufallsereignisse ärgern. In diesen rauben sie entweder unsere monatlichen Einnahmen (wie wir es sonst beim Burgüberfall machen) oder zerstören das Katapult, weshalb wir dann ein neues bauen müssten.
Die Unterschiede bei den Versionen
- Die NES-Version hat bei der Burgverteidigung den Bogen als zusätzliches Minispiel. Mit diesem schießen wir angreifende Soldaten ab.
- Die NES-Version hat beim Turnier ein zweites Minispiel. Nach dem Lanzenstechen gehen wir mit Morgensternen aufeinander los.
- Die C64-Version bietet bei der Belagerung unterschiedliche Munitionstypen an. Wir können mit griechischen Feuer die gegnerische Armee dezimieren.
- Die PC-Version bietet in den Landschlachten animierte Soldaten.
- In vielen Versionen haben wir beim Überfall einen Lebensbalken, der uns ein besseres Feedback über den Fortschritt bietet.
- Einige Versionen erlaubten uns in einer Runde nichts zu machen.
- In einigen Versionen ist es möglich durch das Gebiet der Sachsen zu ziehen, ohne dieses zu erobern.
Grafikblender oder konnte man 1986 einfach nicht mehr erwarten?
- Die Grafik
- Wer bisher nur Pong oder gewöhnliche Spiele auf Heimcomputern kannte, dachte vermutlich, dass das hier nicht real sein kann. Die wundervoll gezeichneten Grafiken und die Animationen zeigen eindrucksvoll, dass der Amiga damals seiner Zeit voraus war.
- Mittelalter wie im Film
- Es wird das Mittelalter-Klischee wie in Filmen bedient, allein das Handbuch widmet den Filmen mehrere Seiten. So haben wir alle Elemente, die wir erwarten: Belagerungen, wir schleichen uns in Burgen, befreien Damen in Not und kämpfen bei Turnieren um Ehre oder Land. Und natürlich ist Robin Hood unser bester Freund.
- Robin Hood
- Natürlich etwas, was man in solch einem Spiel erwarten kann. Zwar kann Robin uns helfen, aber wirklich sichtbar ist diese Hilfe nicht. Es ist dennoch schön ihn einfach zu besuchen.
- Die Musik
- Fantastische Musik, welche so auch auf Feiern und bei Zeremonien und Turnieren gespielt werden könnte und die Atmosphäre und die Immersion steigert.
- Strategischer Tiefgang?
- In der Regel gewinnt derjenige die Schlacht, der einfach mehr Soldaten hat. Wir müssen schauen, dass vor allem keiner der Normannen zu stark wird, da uns dieser sonst irgendwann mit einer quasi unbesiegbaren Armee besuchen wird.
Im Endeffekt gewinnt in der Regel immer die stärkere Armee. Es geht hier nicht um Taktik, sondern vor allem um Masse bei den Soldaten. Die Ritter kann man zwar bei knappen Schlachten mit einem Befehl gut einsetzen, ansonsten machen sie aber kaum einen Unterschied. - Startposition und erste Runden
- Die Startposition und die ersten Runden bestimmen häufig, wie gut eine Partie laufen kann. Sind wir in der südöstlichen Burg, so haben wir direkt mit zwei Normannen zu kämpfen. Sollten wir im Norden anfangen, kann es sein, dass wir einfach erstmal ein paar Ländereien erobern und unsere Armee in Ruhe aufbauen können.
- Hintergrundgeschichte
- Die Hintergrundgeschichte im Spiel ist sehr klischeehaft und so auch nicht richtig. Dies war aber auch gar nicht der Anspruch von Cinemaware, man wollte ein Spiel erschaffen, dass wie ein Film zu sein scheint und das hat geklappt.
- Minispiele unausgewogen
- Die Minispiele sind nicht alle gleich schwer und teilweise schwer zu lesen. Die Burgbelagerung mit dem Katapult ist recht einfach und schnell zu meistern. Beim Schwertkampf fehlt aber ein Feedback über unsere Gesundheit und beim Lanzenstechen. Aus heutiger Sicht einfach nur pures Glück.
Die Nachfolger und Neuauflagen des Spiels
- 1986 - Defender of the Crown
Die Version für den Amiga 1000 erscheint und verzückt Spieler, welches dieses neues System schon besitzen. - 1993 - Defender of the Crown 2
Der zweite Teil erschien exklusiv für das Amiga CD32. Es bot überarbeitete Actionsequenzen und wurde von Commodore entwickelt. - 2002 - Rerelease für Windows und Macintosh
Re-Release des Spiels für damals aktuelle Windows und Macintosh-Systeme mit verbesserter Grafik und Sound. - 2003 - Robin Hood: Defender of the Crown
Neuinterpretation des Spiels in damals moderner aber nicht umwerfender 3D-Grafik. Zusätzlich gab es neue Minispiele wie das Bogenschießen. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Robin Hood. - 2007 - Defender of the Crown: Heroes Live Forever
Neuauflagte mit mehr Einheitentypen und Karten, welche wir im Kampf einsetzen können. Wurde von einem brasilianischem Studio entwickelt. Die Kämpfe sind nun rundenbasiert, es wurde aber die schlechte KI entwickelt und die fehlenden epischen Szenen, wie das Schleichen in eine Burg. - 2026? - Defender of the Crown: The Legend Returns
Soll neben der Amiga-Version einen Classic-Mode enthalten, mit moderner Grafik, verbesserten Mechanikern, der sich einfach besser spielen lassen soll und einen Kingdom Mode, der neben prozeduralen Karten, Würfelmechaniken, freischaltbare Fähigkeiten und unterschiedliche Schwierigkeitsgrade bieten soll. Wird vom in Polen ansässigen Studio Black Tower Basement entwickelt.
Die Spiele-Archäologen Wertung zu Defender of the Crown
Grafisch war das Spiel ein Meisterwerk, spielerisch allerdings ohne richtigen Tiefgang. Hat man die Mechaniken einmal durchschaut, konnte man das Spiel einfach besiegen, hatte aber dennoch irgendwie immer Spaß, vor allem da man die Mechaniken nicht vergleichen darf, mit aktuellen Mechaniken aus Strategiespielen.

Defender of the Crown ist für mich wie diese alten Abenteuerfilme in Technicolor; komplett aus der Zeit gefallen, aber sie wecken Erinnerungen und man freut sich einfach auf das Spektakel.
Und auch wenn ich die strategische Tiefe heute vermisse - die vielfältigen Möglichkeiten abseits der Kampagnenkarte sind für mich, in ihrer ganzen Pixelpracht, immer wieder ein Grund zu diesem Klassiker der Spielegeschichte zurück zu kehren.

Wertung der Spiele-Archäologen: 7.00/10 Punkten
Hilfreiche Links für angehende Sachsen
- Tests bei Kultboy.com
- Test zu Defender of the Crown bei Kultboy.
- Defender of the Crown bei Mobygames
- Defender of the Crown bei Mobygames.
- Handbuch zum Spiel (C64)
- Englisches Handbuch zum Spiel aus der C64-Version.
- GoG-Seite zum Remake
- Defender of the Crown: The Legend Return bei GoG.com. Seite mit ein paar der Informationen zu dem Remake des Spiels.








