Dunkle Schatten 2

Nach 30 Jahren aktueller denn je!

Dunkle Schatten 2 - Nach 30 Jahren aktueller denn je! - Wir müssen reden

In dieser Folge wird es ernst, wenn sich Fjalk und Bacon dem Spiel Dunkle Schatten 2 widmen, sich dabei hoffentlich nicht im Netz verfangen, sondern stattdessen die folgenden Fragen klären:

  • Ein Spiel vom Bundesinnenministeriums kann das mehr als unzählige Formulare bieten?
  • Wie bringt man ernste Themen in einem Computerspiel unter, ohne dass es den Spielern die Lust am Weiterspielen nimmt?
  • Wie schneidet es im Vergleich zu den anderen Spielen von Art Department ab?
  • So viele Namen, aber Gesichter dazu bekommen wir erst nach und nach im Spiel. Ist das eine gute Game-Design-Entscheidung?
  • Wie könnte man heute jugendliche am besten mit Spielen zu wichtigen Themen erreichen?
  • Ist das Internet nicht auch noch heute Neuland?

Dunkle Schatten 2 ist ein Point-and-Click-Abenteuer aus dem Jahr1996. Wir ordnen das Spiel als Werbe- und Auftragsprojekt ein, das vom Bundesinnenministerium im Rahmen einer Kampagne gegen Fremdenfeindlichkeit und Extremismus beauftragt wurde.

Wir besprechen die Steuerung mit ihrer Inventarleiste, kombinierbaren Gegenständen und markierten Interaktionspunkten. Zusätzlich sprechen wir über technische und spielerische Probleme, etwa unklare Schritte bei Rätseln, viele Laufwege und Stellen, an denen man ohne Lösung leicht festhängt.

Inhaltlich begleiten wir Carsten, der zwei Jahre älter ist als im ersten Teil und auf die Berufsschule geht. Das Spiel verbindet seine Erlebnisse im Alltag mit der Recherche im Internet, über Mailboxen und eine sich entwickelnde Homepage, sowie um rechtsextreme Aktivitäten in seiner Heimat und seine Versuche die Täter und Gewalt zu verfolge und zu verhindern.

Dabei besuchen wir verschiedene Orte in der Stadt, sprechen mit Bekannten und rekonstruieren nach und nach, was im Hintergrund passiert. Außerdem besprechen wir die Darstellung von Jugendlichen, die Dialoge und die im Spiel enthaltenen Infotexte zu Themen wie Rechtsextremismus, Asylrecht, Gewalt und der Bundesprüfstelle. Am Ende bewerten wir das Spiel unterschiedlich: einmal wegen der anstrengenden Mechanik, einmal wegen der gelungenen Präsentation und der heute noch aktuellen Themen.

Spielname
Dunkle Schatten 2, Dunkle Schatten 2: Im Netzwerk gefangen
Jahr
1996
Firmen
Art Department, DigiTales
Personen
Ulf Hausmanns, Stephan Reisinger, Stefan Hoffmann, Frank Fischell, Olaf Finger, Christian Krämer, Jochen Hess
Plattformen
PC
Startbildschirm von Dunkle Schatten 2
Mit einem schwierigen Thema setzt sich, wie schon sein Vorgänger, Dunkle Schatten 2 auseinander. Ob es das Beschmieren von Gedenksteinen ist, oder die Verbreitung von fremdenfeindlichen Computerspielen, überall stolpert unsere Spielfigur, Karsten, über das Treiben von Rechtsradikalen in seiner Stadt.
Nun gilt es herauszufinden, wer dahintersteckt und ihnen das Handwerk zu legen.
Da das Spiel im Auftrag des Bundesministeriums des Inneren erschien, kommt es leider nicht ohne schrägen Blick auf die "Computerspieler-Szenen" aus. So wird z.B. penetrant auf dem Verdammen von "Killerspielen" herumgeritten.
Und so lösen wir gelegentlich zu realistische Rätsel, die sich auch schon mal in zu vielen Details verlieren, wenn wir etwa ein Fahrrad reparieren, oder einen PC zusammenbauen müssen, führen viele Dialoge mit mal mehr oder weniger ausgearbeiteten Charakteren und arbeiten nebenbei noch an unserem chaotischen Beziehungsleben, um am Ende die Pläne der Nazis zu durchkreuzen.
Wir wollen gegen Nazis antreten, aber fahren nur mit funktionierendem Rücklicht?
Portrait von Bacon L'Orange
Bacon L'Orange
Wenn alte Menschen “Jugendsprache” in Dialoge einbauen… Autsch!
Portrait von Fjalk
Fjalk

Kann ein Spiel mit solch einem Thema unterhalten oder wirkt es eher wie das Ausfüllen der Steuerformulare?

Das Spiel hat sich kein einfaches und leichtes ausgesucht, sondern hat sich mit dem Thema der Ausländerfeindlichkeit, dem Ausgrenzen und der Gefahr durch Nazis und Faschisten eines ausgesucht, das heute noch mindestens so aktuell ist, wie es damals war.
Kann ein solches Spiel überhaupt fesseln und kann es die Zielgruppe, vor allem jugendliche und junge Erwachsene an das Thema heranführen ohne zu belehrend zu wirken?
Ein immer noch aktuelles Thema
Eine Gruppe Nazis plant einen Anschlag auf ein Asylbewerberheim. Ein Thema, welches heute genauso aktuell ist wie in den 90ern. Dabei geht es nicht nur um den geplanten Anschlag, sondern wir erleben die Methoden der Nazis in vielfältiger Weise, von dem Beschmieren von Statuen und Gräbern, von dem Drohen oder Ausüben direkter Gewalt gegen uns und unsere Freunde, der Einschüchterung durch Briefe und fliegende Steine bis hin zum geplanten Anschlag, den wir mithilfe unserer Freunde noch aufhalten können.
Das Internet als Neuland
Das Internet war zum damaligen Zeitpunkt noch Neuland, dennoch setzt das Spiel dieses schon recht gut um. So nutzen wir eine Mailbox, entwerfen eine Webseite und sind generell mit unseren Freunden teilweise im Internet unterwegs und tauschen uns darüber aus.
Aus heutiger Sicht fanden wir vor allem den Aufbau der Verbindung und die Mailbox einfach sehenswert. Natürlich stört uns die falsche Endung für Kanada, welche im Spiel verwendet wird, aber das sind Details, über die wir hier hinwegsehen können.
Grafik
Die Grafik ist für das Erscheinungsjahr auf einem guten Niveau. Kommerzielle Spiele sehen natürlich besser aus und haben mehr Animationen und bieten hier in der Regel auch schon Sprachausgabe. Dies erwartet man bei einem kostenlosen Spiel allerdings nicht und es führt auch dazu, dass Spieler mit älteren Systemen auch dieses Point’n Click Adventure noch erleben konnten.
Nicht nur ein Spiel
Neben dem Spiel enthält das Buch auch Hintergrundinformationen. Je weiter wir im Spiel kommen, desto mehr Informationen können wir zu Themen wie Rassismus, der Einwanderung, der Verfolgung der Juden im Zweiten Weltkrieg und anderen Themen lernen und uns darüber informieren.
Auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften und ihrer Arbeit wird dort erwähnt und erklärt
Die Moral sitzt mit am Spieltisch
Das uns das Spiel eine Botschaft vermitteln soll, das wird schnell klar. Diese Botschaft wird auch klar und deutlich kommuniziert.
Zusätzlich bezieht sich das Spiel aber auch teilweise auf andere Themen für jugendliche und dabei kommen natürlich die Ego-Shooter nicht gut weg. Dies hätte das Spiel mit einem kurzen Satz in einer der Konversationen darstellen können, es wird aber ein mehrteiliges Thema in der Konversation zwischen den Jugendlichen. Hier merkt man, dass der Auftraggeber wohl etwas stärker das Thema thematisieren wollte.
Nazis sind sehr flach dargestellt
Während unsere Freundin oder der eine Schulkamerad und ihr Verhalten noch auf das Alter und das jugendliche Nicht-Nachdenken über Handlungen und ihre Folgen zumindest zum Teil geschoben werden kann und auch aus heutiger Sicht nachzuvollziehen sind, werden die eigentlichen Täter im Spiel sehr oberflächlich dargestellt. Dies ist zu einfach, diese Einteilung der Charaktere in Schwarz und Weiß und spiegelt nicht wider, wie Nazis heute und aber auch schon damals gearbeitet haben. Wären die Nazis und ihre Methoden hier besser ausgearbeitet gewesen und ihre Motive nicht so deutlich und direkt vorgetragen worden, so könnte man noch viel mehr Lehren aus dem Thema und dem Spiel ziehen. Eine vergebene Chance.
Die Laufwege
Das Spiel hätten wir auch Wege-Simulator 2.0 nennen können. Wir haben eine Karte für die nähere Umgebung unseres Zuhauses. Dann gibt es noch die Karte in der großen Stadt, in der wir auch unterwegs sind und viele Wege hin- und herlaufen. Dazwischen reisen wir mit dem Bus und wundern uns gar nicht darüber, dass immer die gleichen Menschen in diesem Bus sitzen.
Die Laufwege, welche wir nicht abkürzen können, werden dann zur Qual, wenn wir in eine Sackgasse gelangen. Dann heißt es häufig alle Schauplätze, die mit der Zeit im Spiel immer mehr und mehr werden, nochmal ablaufen und im schlimmsten Fall sogar mehrfach abzulaufen.
Die Jugendsprache
Ein Thema, welches häufig in Spielen störend wirkt. Einerseits soll die Sprache nicht zu steif sein, aber die hier verwendete Art der Jugendsprache war auch damals schon nicht passend. Damit verliert das Spiel etwas von seiner Glaubwürdigkeit und auch die Immersion beim Spielen wird dadurch immer wieder gestört.
Sehen wir von den schlimmsten dieser Dialoge ab, so ist die Sprache für die damalige Zeit modern und überwiegend gut eingesetzt.

Dunkle Schatten 2 - PC - 1996 - Der Anfang des Point'n Click Adventures

Dunkle Schatten 2 ist das zweite Videospiel in der Reihe, welche vom Bundesinnenministeriums und Art Department im Rahmen der Fairständnis-Kampagne entwickelt wurde. Diesmal muss Karsten erneut einen Anschlag von Nazis verhindern.
Die Musik auf der Karte (wenn wir mit dem Rad unterwegs sind) erinnert mich leicht an das James Bond-Thema.
Portrait von Bacon L'Orange
Bacon L'Orange

Die Spiele-Archäologen Wertung zu Dunkle Schatten 2

Abgesehen von den unnötig langen Laufwegen an sich ein ganz brauchbares Point’n Click mit einem Thema, das auch 30 Jahre später noch aktuell ist. Das Internet war damals Neuland und diese Sequenzen haben mir am besten gefallen.
Portrait von Bacon L'Orange
Bacon L'Orange: 7/10
Das übergeordnete Thema, jetzt einmal ausgenommen (10/10), ist dieses Spiel für mich nur mittelmäßig. Die Spielmechanik und Grafik sind durchaus gut, die Dialoge und Rätsel in Kombination mit den doppelten und dreifachen Laufwegen sind eher anstrengend. Letztere Punkte haben auch dazu geführt, dass ich das Spiel nicht durchgespielt habe.
Portrait von Fjalk
Fjalk: 5.5/10

Wertung der Spiele-Archäologen: 6.25/10 Punkten