Spiele kaufen: früher und heute

Früher war in Spielepackungen mehr Lametta

Spiele kaufen: früher und heute - Früher war in Spielepackungen mehr Lametta - Wir müssen reden

In dieser Folge reden wir über unsere Erlebnisse, die wir früher beim Kauf von Videospielen hatten und erinnern uns an die alten Zeiten und reden über die folgenden Themen:

  • Was waren unsere ersten gekauften Spiele
  • Das Erlebnis des Kaufens, der Weg zum und vom Laden zurück
  • Warum es sich immer lohnte, ein Sid Meier-Spiel zu kaufen
  • Warum wir Handbücher, Dreingaben wie Karten und andere Goodies vermissen.
  • Der Untergang der Big Boxen und warum es sich heute fast nicht mehr lohnt, physische Spiele zu kaufen

In dieser Folge erinnern wir uns daran, wie wir früher Videospiele gekauft haben und wie sich der Kauf heute verändert hat. Wir erzählen von ersten Spielen, Fehlkäufen und den Wegen zu Läden wie Karstadt, Saturn und Game World. Während wir auf dem Amiga nur selten selbst Spiele kauften und vieles über Freunde, Familie oder Public-Domain-Sammlungen bekamen, wurden PC-Spiele später häufiger gezielt im Laden ausgesucht.

Wir sprechen darüber, wie wir Spiele fanden: durch Zeitschriften, Demos, Empfehlungen und das Stöbern in den Regalen. Oft entschieden Verpackung, Beschreibung und Preis, manchmal nahmen wir auch Titel mit, von denen wir vorher noch nichts gehört hatten. Weil Spiele im Laden nicht unbegrenzt verfügbar waren, konnte es sinnvoll sein, ein interessantes Angebot gleich mitzunehmen.

Ein Schwerpunkt sind Bigboxen und ihre Beigaben. Handbücher, Karten, Geschichtenbücher und andere Extras gaben uns auch außerhalb des Spiels etwas zu lesen und zu entdecken. Bei Reihen wie Civilization und Might & Magic halfen die Handbücher und Karten zudem dabei, Spielmechaniken und Spielwelten besser zu verstehen. Wir erinnern uns auch an ungewöhnliche Extras und an Kopierschutzrätsel, die in Handbücher oder Beilagen eingebunden waren.

Wir vergleichen diese Erlebnisse mit dem digitalen Einkauf: Spiele sind heute oft länger verfügbar, lassen sich schnell herunterladen und stehen regelmäßig im Sale. Gleichzeitig kaufen wir dadurch gezielter und stoßen seltener zufällig auf etwas Neues. Mit dem Wechsel zu DVD-Hüllen und digitalen Stores verschwanden viele Bigboxen und Beigaben; auch physische PC-Spiele sind im Handel kaum noch zu finden.

Zum Schluss sprechen wir darüber, welche physischen Editionen wir heute noch gerne kaufen würden. Besonders fehlen uns gut gemachte Handbücher, Karten und kleine Extras, die eine Verbindung zum Spiel schaffen und die Wartezeit bis zum Spielen überbrücken. We erinnern uns an die Überraschungen beim Stöbern und daran, wie oft wir damals mit einem ganz anderen Spiel nach Hause kamen als geplant.

Spiele kaufen: Früher und heute

Wer vor dem Siegeszug der Online-Stores, wie Steam oder GOG, seine Spielesammlung vergrößern wollte, konnte sich entweder durch die Diskettenboxen von Freunden arbeiten und in kurzer Zeit dank der einschlägigen Kopierprogramme für wenig Geld an sein Ziel kommen oder aber, legal und mit dem geballten Wissen, den Handbüchern und Dreingaben, wie z. B. Weltkarten als Extra, sein hart verdientes Taschengeld (es gab auch Gerüchte, denen zufolge auch Leute, die schon arbeiteten, ihr Geld in Spiele investierten) in die einschlägigen Spieleläden oder Kaufhäuser tragen.

Was heute mit nur ein paar Klicks erledigt war, beanspruchte damals vielleicht mehrere Stunden unserer Freizeit. Oft war es ja nicht damit getan, mal eben mit dem Bus zum nächsten Laden zu fahren. Wer wusste denn, ob das Spiel, das man kaufen wollte, gerade vorrätig, oder schon geliefert war?

Und nicht selten fanden wir beim Wandern durch die Regale ein ganz anderes Spiel. Eines, von dem wir gar nicht wussten, dass es erschienen war, worum es dabei ging oder was für ein Genre es war.

Diese Zufallsfunde, die uns in manchen Fällen viel Geld sparten und am Ende zig Stunden länger vor dem Bildschirm fesselten, als die Spiele, die wir eigentlich kaufen wollten, machten über Jahre den Reiz aus, sich auf den Weg zu Spieleläden zu machen, da man nie wusste, womit man am Ende zuhause ankam.
Allerdings war das nur ein Teil der Faszination…

Bacon und Civilization: Ein besonderer Kauf

Es war in den frühen 90ern etwas, das nicht häufig stattfand. Ich habe mir damals Civilization für den Amiga gekauft. In Spielezeitschriften hatte ich viel dazu gelesen und hatte auf das Spiel gespart. Das kostet immerhin 130 DM, was für mich damals wirklich viel Geld war, so dass eine solche Investition immer gut überlegt war.

Das Geld hatte ich sicher in meinem Portemonnaie verstaut und machte mich auf den Weg mit dem Bus in die Innenstadt. Die Fahrt dauerte so 30–40 Minuten und ich musste auch einmal umsteigen, um zum Ziel zu kommen. Aber dann war ich im Laden und der hatte das Spiel vorrätig. Ich schnappte mir also die Packung, aber überlegte, als ich den Preis sah, natürlich nochmal, ob ich mir nicht eventuell doch ein anderes Spiel holen sollte. Aber der Name Sid Meier zog bei mir, hatte ich doch schon Pirates! und Railroad Tycoon gespielt und lieben gelernt. Ein Spiel, bei dem wir also die Geschicke eines ganzen Reiches lenken sollten, das kann doch nur gut sein, oder?
Nach einigem Hin und Her stand der Entschluss fest: Ich ging zur Ladentheke und kaufte das Spiel.

Danach ging es freudestrahlend zur Haltestelle. Natürlich machte ich die Packung vorsichtig auf, während ich auf den Bus warten musste, und zog das dicke Handbuch aus der Verpackung. Dieses studierte ich auf dem Rückweg und schaffte es dabei, die Haltestelle nicht zu verpassen. Natürlich wurde zu Hause das Spiel direkt gestartet und es entstand Liebe für eine Spieleserie, die jetzt schon über 3 Jahrzehnte andauert.

Als ich damals meine jetzige Frau besser kennenlernte, sah ich, dass sie in einem Schrank eine Kopie von Civilization 3 stehen hatte. Wir hatten damals nie drüber gesprochen, aber irgendwie sah ich das als gutes Zeichen.
Erst Jahre später erfuhr ich, dass das Spiel ihrer Schwester gehört, aber mittlerweile haben wir schon viele Partien in den Teilen 5 und 6 der Serie zusammen geschlagen.

Was war in der Box?

Natürlich schwelgen wir im Podcast darüber, was sich alles so in den Spiele-Boxen befand. Aber wir wollen einige dieser möglichen Inhalte hier einmal auflisten. Eventuell erinnert sich der ein oder andere von euch dadurch auch an längst vergessene Beilagen zu den Spielen.
Gedruckte Handbücher
Vor allem in der Zeit, als Spiele noch keine Ingame-Tutorials besaßen, waren die Handbücher notwendig, um Spielmechaniken zu vermitteln, ebenso wie die Spielziele. Bei einem Shooter war das Handbuch eventuell dünner als bei einem Strategiespiel, aber auch dieses besaß kurze Handbücher, welche zumindest die Installation beschrieben.
Andere Spiele boten hier auch Hintergrundgeschichten, Biografien der Charaktere und die Einblicke in die Spielmechaniken, welche einem dann im Spiel halfen, einige Kopfschmerzen zu vermeiden.
Romane
Romane zum Spiel halfen uns mehr über die Geschichte der Welt zu erfahren, die wichtigsten Charaktere oder die Vorgeschichte zum Spiel. Teilweise, wie bei Stonekeep von Interplay, waren diese auch über 100 Seiten lang und boten so viel Zusatzmaterial zum Verschlingen.
Stoff- und Papier-Weltkarten
Bevor uns im Spiel der kürzeste oder beste Weg zum Ziel angezeigt wurde, fanden sich häufig bei Rollenspielen oder anderen Spielen, in denen eine Erkundung wichtig war, Karten in der Box. Diese teilweise handgezeichneten Landkarten der Spielwelt halfen uns, uns in der Welt zu orientieren.
Wenn es besonders edel sein soll, dann gab es sogar eine Stoffkarte als Dreingabe.
Kopierschutz und Drehräder
Natürlich dienten einige der Dreingaben auch dem Kopierschutz. Seien es Abfragen von Wörtern aus dem Handbuch, die Abfrage von Symbolen wie Piratenflaggen oder Drehrädern wie bei Lucas Arts. Es war immer ein Rennen zwischen Entwicklern und Kopierern, einen möglichst guten Kopierschutz zu haben. Zum Teil konnte dies auch Spaß machen, wenn wir in den Lucas-Arts-Adventures das Drehrad um sich den richtigen Piraten zusammenzudrehen.
Musik-CDs
In den 90ern, als sich die CD-Laufwerke immer weiter verbreiteten, gab es bei einigen Spielen den Soundtrack auf einer CD gleich beim Spiel mit. Bei einigen anderen Spielen konnte man die CD auch einfach in einem CD-Player einlegen und dort dann die Musik abspielen.
Tastatur-Schablonen
Besonders bei Simulationen lag auch gerne eine Tastatur-Schablone bei, damit man im Spiel direkt sehen konnte, welcher Befehl sich wo befand. Vor allem Flugsimulationen waren hierfür prädestiniert.
Aufkleber und Stickerbögen
Bögen mit Logo-Stickern, Fraktionssymbolen oder Charakteren, mit denen wir Spieler unsere echte Umgebung noch versehen konnten, waren häufiger Bestandteil der Boxen.
Poster
Nicht Musikstars oder Filmsternchen hingen an den Wänden, sondern wir konnten auch Poster unserer Lieblingsspiele an die Wand hängen.
In-Game-Tagebücher oder Logbücher
Fiktive Dokumente im Universum des Spiels, die wie echte Notizbücher, Militärakten oder alte Pergamente gestaltet waren und Geschichten aus der Sicht der Spielcharaktere erzählten.
Registrierungskarten (Postkarten)
Vorausgefüllte Antwortkarten aus Papier, die Spieler per Post an den Hersteller zurückschicken konnten, um sich für technischen Support zu registrieren oder Umfragen auszufüllen.
Alles Mögliche
Larry 7 mit seiner Sniff-and-Scratch-Karte war eine Besonderheit, genau wie ein USB-Stick im Diablo-Design. Die Firmen waren teilweise richtig kreativ und erstellten so Goodies, über die wir uns jahrelang freuen konnten.

Wo haben wir Spiele gekauft?

Dies änderte sich natürlich im Laufe der Zeit ganz stark. In den 80ern und frühen 90ern war ein Spielkauf noch eine Seltenheit, da das Geld hierfür als kleiner Stepke einfach nicht verfügbar war. Neue Spiele gab es damals entweder zum Geburtstag oder zu Weihnachten, aber natürlich auch auf dem Schulhof.

In den 90ern haben wir Archäologen dann mit der Zeit mehr Geld besessen und dieses wurde dann im Computerladen des Vertrauens ausgegeben. Es gab auf einmal auch viel mehr Läden, in denen wir Spiele kaufen konnten.

Dies waren häufig kleine Einzelunternehmen, doch auch Kaufhäuser wie Karstadt hatten eine große Auswahl an Spielen für unterschiedliche Systeme. Karstadt wurde ab Mitte und Ende der 90er vor allem für Bacon ein Anlaufort, da die Auswahl an neuen und reduzierten PC-Spielen recht groß war.

Aber auch Gameworld in der Bremer Neustadt war ein oft aufgesuchter Ort. Zu Beginn noch, da dieser Laden auch Gebrauchtspiele für alte PCs hatte, später aber auch zum Einkauf der neuesten Hits.

Die PC-Kette Vobis lag aber auch günstig zum Einkauf und wurde deswegen häufiger angesteuert. Teilweise mit wenig Erfolg, da man sich dafür entschied, statt dem aktuellen NHL ein anderes Hockeyspiel zu holen, welches mit dem Hit von Electronic Arts nicht mithalten konnte.

Besonders ab Ende der 90er war die Auswahl an Läden, in denen wir uns mit Spielen versorgen konnten, gigantisch. Der Schulhoftausch war seit dem Erscheinen der CD-Laufwerke immer mehr im Rücklauf und es gab für PCs dann auch noch die Spielesammlungen. Schon mal von den Gold-Games oder der Play-the-Games!-Reihe gehört? Dazu haben wir auch bereits einen Podcast aufgenommen, der ist am Ende des Artikels verlinkt.

Heutzutage kaufen wir als PC-Spieler vor allem unsere Spiele digital. Sei es bei Steam, GoG, Epic, dem Launcher des Herstellers. Die Auswahl, wo wir das Spiel kaufen können, ist riesig und der Einkauf und der Download in der Regel recht unkompliziert.

Mit dem Aufkommen der DVD als Speichermedium verschwanden auch nach und nach immer mehr die Big-Boxen aus dem Handel. Die DVD-Hüllen sind einfach kleiner und der Laden kann auf der gleichen Fläche einfach mehr Produkte präsentieren. Doch mit dem verkleinerten Faktor gab es auch nicht mehr so viel Platz für schöne Extras. Die Handbücher sind entweder nur noch ein kleines Heftchen und die Anleitung zum Spiel, das Tutorial, befindet sich häufig direkt im Spiel und muss nicht mehr gedruckt vorliegen. Da liegt dann der digitale Kauf noch näher, bekommen wir bei diesem teilweise noch Extras mit.

Die letzten großen Boxen waren meistens Collector’s Editionen oder ähnlich benannte Special Editionen von Spielen. Diese kommen immer noch in einem großen Formfaktor daher, bieten immer noch Extras wie CDs mit Musik, Bücher mit einem Making-of oder Figuren (teilweise auch wesentlich größer als damals), schlagen aber auch beim Preis ordentlich zu und sind meist nur zu haben, wenn man diese vorbestellt oder sie mit Glück noch zum Erscheinungszeitpunkt des Spiels bekommt.

Der letzte Besuch in einem Elektronik-Markt war auch eher enttäuschend. Es gab nur noch vereinzelte PC-Spiele. Bei den Konsolen sah dies noch anders aus, obwohl hier der Trend auch häufig schon zu einem Digital-Code in der Spielebox führt.

Generell stellt sich aber auch als Spieler die Frage, was einem die Box, neben möglichen Extras, noch bietet, da wir zum Spielen des Spiels sowieso nach der Installation noch online dieses patchen müssen. Da ist der digitale Kauf einfacher, schneller und unkomplizierter.

Auch ein Punkt, den wir hier nicht vergessen dürfen: Damals beim Einkaufen konnte man sich auch immer die Frage stellen: Wenn ich das Spiel diesmal nicht kaufe, kann ich es in einem Monat noch bekommen? Die Spiele wurden häufig nach einiger Zeit reduziert, eventuell weiter reduziert, aber sie verschwanden dann auch irgendwann aus dem Handel und waren dann eventuell für immer weg, etwas, was heute seltener passiert, natürlich immer noch möglich ist, aber nicht mehr so häufig vorkommt wie früher.
Beim Besuch des Spieleladens wurde also abgewogen. Einige boten sogar eigene kleine Zeitschriften, in denen sie einige der Spiele vorstellen. Das half, sich zu informieren und eine fundierte Auswahl zu treffen, anders als sonst, wo teilweise auch einfach das Cover so packend war, dass man das Spiel unbedingt brauchte.

Es gab damals auch die Möglichkeit, über den Versandhandel Spiele zu bestellen. Dieser schaltete vor allem in den Printmagazinen Werbung und versuchte, mit möglichst kleiner Schrift, möglichst viele unterschiedliche Titel zu vermarkten. Diese Möglichkeit haben wir damals aber eigentlich nie wahrgenommen. Hier war meist Vorkasse nötig, oder die Zahlung per Nachnahme erhöhte den Spielepreis zusätzlich.

Bacon und Starcraft: Die längste Wartezeit zwischen Kauf und dem Spielen

p>Im Sommer 1998 ging es für mich nach London, ein Urlaub mit der Familie. Dieser sollte vornehmlich meinem Englisch dienen, doch freute ich mich damals vor allem auf die Einkaufsmöglichkeiten, wusste ich doch, dass ich meinen beiden Hobbys, PC-Spiele und Warhammer 40K, nachgehen konnte. Nach dem obligatorischen Besuch in einem Games-Workshop-Laden ging es auch in einen Virgin-MegaStore.
Die Größe und die Auswahl an Musik-CDs, VHS-Kassetten und Videospielen war gigantisch und ich schaute mich bei den PC-Spielen um. Und da sah ich das Spiel von Blizzard, von dem ich schon viel gelesen hatte: Starcraft. Ich mochte Warcraft 1 & 2, hatte den ersten Teil damals bei einem Kumpel gespielt und den zweiten schon zu Hause. Diablo gehörte zu meinen Lieblingsspielen und die Lost Vikings hatte ich damals schon gefeiert. Also war es ein Pflichtkauf, sich Starcraft zu holen.
Dummerweise war es aber erst der zweite Tag des Urlaubs, so dass die Zeit, bis ich das Spiel dann zu Hause spielen konnte, wirklich lang war. Doch diese Zeit wusste ich damals geschickt zu überbrücken. Ich hatte das Handbuch und konnte dieses bis zu meiner Rückkehr quasi auswendig.
Wenn ich mich richtig erinnere, kamen wir an dem Abend erst recht spät zurück, aber das hielt mich nicht ab, Starcraft auch zu installieren und eben kurz abzuspielen *husthust*.